Studienaufenthalte

Von internationalen Kollegen und Kolleginnen lernen – Bereichernde Studienaufenthalte zu Schutzgebieten in Finnland, Deutschland, Großbritannien, Österreich und den Niederlande

© Stachl

© Hudelist

EUROPARC Deutschland ermöglicht Haupt- und Ehrenamtlichen europäischer Schutzgebiete, Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen auszutauschen und internationale Kooperationen mit anderen Schutzgebieten aufzubauen. Im Rahmen des Projekts „Akteure aus Nationalen Naturlandschaften im internationalen Kompetenzaustausch“ (ANNIKA) wurden fünf einwöchige Studienaufenthalte angeboten. 32 deutsche Teilnehmenden aus den Nationalen Naturlandschaften und EUROPARC Deutschland nutzten die Chance ausländische Schutzgebiete zu besuchen und 7 internationale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen europäischer Schutzgebiete wurden in die Nationalen Naturlandschaften in Deutschland eingeladen.

Jeder Studienaufenthalt stand unter einem spezifischen Schwerpunktthema, das jeweils im Zusammenhang mit Freiwilligenmanagement, d.h. mit der Frage „wie binden wir Freiwillige professionell in die Schutzgebietsarbeit ein?“, behandelt wurde. Auf dem Programm der Studienaufenthalte standen z.B. Vorträge, Workshops und Exkursionen, die den Teilnehmenden die Möglichkeit boten best practice-Beispiele von ausländischen Schutzgebieten kennenzulernen und Fachwissen und Erfahrungen Ihrer täglichen Arbeit mit den Expertinnen und Experten vor Ort austauschen. Während dieser einmaligen Gelegenheit konnten die Teilnehmenden voneinander lernen und neue Ideen und Strategien gemeinsam erarbeiten. Zudem ermöglichten die Studienaufenthalte den Aufbau längerfristiger Beziehungen und Kooperationen zwischen europäischen Schutzgebieten.

Die folgenden Studienreisen wurden im Rahmen des Projektes durchgeführt:

  • „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schutzgebieten“, Niederlande (Download Programm)
  • „Alternative Finanzierungsstrategien für Schutzgebiete“, Finnland (Download Programm)
  • „Regionalentwicklung und Tourismus in Schutzgebieten“, Deutschland (Download Programm)
  • „Regionalentwicklung und Tourismus in Schutzgebieten“, Großbritannien (Download Programm)
  • „Barrierefreiheit und Inklusion in Schutzgebieten“, Österreich (Download Programm)

Im Frühjahr 2018 werden die Erfahrungen und Ergebnisse im Rahmen einer abschließenden Fachtagung mit den Teilnehmenden und Interessierten diskutiert und in einer zweisprachigen Broschüre einem breiten Publikum in Deutschland und in den beteiligten Ländern zur Verfügung gestellt.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

 

Einblicke in Bildungsarbeit niederländischer Nationalparks

© Neele Larondelle

Von den Nachbarn lernen: Acht haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus Nationalen Naturlandschaften und von EUROPARC Deutschland nutzten im Rahmen eines einwöchigen Studienaufenthaltes in den Niederlanden Anfang Oktober 2017 die Gelegenheit, vier Nationalparks – De Sallandse Heuvelrug, Weerribben-Wieden, Dwingelderveld und Drents-Friese – mit ihrer Bildungsarbeit kennenzulernen. Während der Woche konnten sie hochwertige Bildungsangebote selbst erleben, führten intensive Diskussionen mit Expertinnen und Experten vor Ort und reflektierten die Eindrücke innerhalb der Studiengruppe. Das Verständnis von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wurde damit zunehmend geschärft, u.a. auch das Verständnis für die unterschiedliche Interpretation von BNE in Deutschland und den Niederlanden.

Beeindruckt waren die Teilnehmenden insbesondere von der Gastfreundschaft der Niederländer. Konkrete Anregungen für die eigene Arbeit in den Nationalen Naturlandschaften gaben z.B. die Projekte „Junior Consultancy Agency“ und „Spokesman for Nature“. Mit ihnen verfolgen die niederländischen Kolleginnen und Kollegen das Ziel, Jugendliche schon früh in eigenen Projekten arbeiten zu lassen, sich ihrer Kompetenzen bewusst zu werden und Verantwortung für ihre Umwelt zu tragen. Die Zielgruppe der Sekundarschüler wird dabei für die Themen des Umweltschutzes auch in wirtschaftlichen Zusammenhängen sensibilisiert und befähigt, ihr individuelles Handeln im Rahmen eigener Projekte zu reflektieren. Interessant war für die Teilnehmenden darüber hinaus der Einblick in die Organisationsstrukturen der niederländischen Schutzgebietsverwaltung und -betreuung. Neben den staatlichen Verwaltungen übernehmen gut aufgestellte Nichtregierungsorganisationen, wie Natuurmonumenten, einen Großteil der Bildungsarbeit. Einen enormen Wert hat das Freiwilligenengagement: Ehrenamtlich Aktive sind beispielsweise in Besucherzentren für vielfältige Besuchergruppen im Einsatz. Sie werden durch Hauptamtliche professionell angeleitet und koordiniert. Erfolgsfaktoren sind dabei die persönliche Ansprache und die hohe Wertschätzung, die die Ehrenamtlichen durch die Hauptamtlichen aber auch durch die niederländische Gesellschaft allgemein erfahren.

Als einen interessanten Ansatz, der in den deutschen Schutzgebieten bislang nicht konsequent umgesetzt wird, lernten die Teilnehmenden des Studienaufenthaltes die „Elternarbeit“ kennen, die in fast jedem niederländischen Umweltbildungsprogramm explizit mitgedacht wird. In der Praxis bedeutet das, dass die Kinder entweder Aufgaben mit nach Hause bekommen, die sie dann ihren Eltern erklären müssen oder es finden Vorführungen oder Präsentationen für die Eltern am Ende eines Bildungsprogrammes in der jeweiligen Schule statt. Des Weiteren konnte die deutsche Delegation vielfältige Anregungen, insbesondere bei den Aspekten Beteiligung von Jugendlichen und Verankerung von Schutzgebieten in der jeweiligen Region, mitnehmen. Die „Junior Consultancy Agency“ ist bspw. ein Schulprogramm für Klassen der Sekundarstufe in den Fächern Biologie oder Politik. Die Schulklassen fungieren dabei wie ein reguläres Beratungsunternehmen und erörtern reale Probleme von lokalen Unternehmen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten hierbei verantwortungsbewusst und erfahren gleichzeitig, z.T. sogar auch monetäre Wertschätzung von den beteiligten Unternehmen.

 

Studienaufenthalt in finnischen Nationalparks: Rückkehr mit Anregungen zur Finanzierung

© Katja Arzt

Was sind erfolgreiche und zukunftsweisende Finanzierungsstrategien, die die Sockelfinanzierung von Schutzgebiete ergänzen? Diese Frage stand in der letzten Septemberwoche 2017 im Mittelpunkt des Studienaufenthaltes in Finnland, an dem sechs haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus Nationalen Naturlandschaften und von EUROPARC Deutschland teilnahmen. Die Studiengruppe bekam durch Besuche von vier Nationalparks – Nuuksio, Leivonmäki, Southern Konnevesi, Isojärvi – die Gelegenheit, Erfahrungen, Konzepte und Ideen mit finnischem Parkpersonal sowie kooperierenden Organisationen und Unternehmen zu diskutieren.

Als allgemeine Eindrücke der besuchten Nationalparks nahmen die Teilnehmenden u.a. den Ansatz „Angebote statt Verbote“ auf, ebenso wie eine große Offenheit und Zuwendung des Personals zu den Menschen, sowohl Einheimischen wie auch Gästen. Mit Blick auf das konkrete Thema des Studienaufenthaltes beeindruckten die Gastgeber durch gut eingesetzte EU-Fördermittel und eine intensive Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen und -organisationen vor Ort, die die Finanzierung und Umsetzung von Nationalpark-Aktivitäten ganz erheblich unterstützen. So übernehmen z.B. private Wanderführerinnen und -führer Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, deren Kosten sie durch eigene Einnahmen decken. Vielerlei Anregungen gaben auch die vorgestellten Beispiele für den Einsatz von Freiwilligen, darunter Ehrenamtliche in der Landschaftspflege und freiwillige Schäfer. Dass freiwilliges Engagement auch die Bekanntheit und die Erlebnismöglichkeiten der Nationalparks steigert, zeigte das Beispiel eines Nationalpark-Freundeskreises. Dieser hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, durch einen Fahrservice und Begleitung ältere Menschen in „ihren Nationalpark“ zu bringen, die sonst seine Schönheit nicht erleben könnten.

Als zukunftsweisende Ausrichtung lernte die Studiengruppe die Aktivitäten der landesweiten Nationalparkverwaltung Metsähallitus kennen, die das Verständnis dafür fördern, dass Naturschutz eine zu finanzierende Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist. D.h. Ziel ist es, auch außerhalb des Naturschutzsektors alle staatlichen Strukturen und die Bevölkerung an der Finanzierung der Nationalparks zu beteiligen. Zu diesem Zweck wird derzeit versucht, Alltagsbedürfnisse mit Naturschutz zu verbinden und Finanzquellen aus Sport, Tourismus, Gewerbe etc. zu erschließen. Besonders interessant waren die Einblicke in eine neue Entwicklung: Die staatliche Verwaltung setzt die Gesundheitsvorsorge als eine Leistung der Nationalparks in wert und gab Einblicke in ihre Strategie, Finanzmittel aus dem Gesundheitswesen zu erhalten.

 

Europäische Kollegen lernen Regionalentwicklung und Tourismus in Nationalen Naturlandschaften kennen

© Stephanie Schubert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen des Projekts „Akteure aus Nationalen Naturlandschaften im internationalen Kompetenzaustausch“ (ANNIKA) lud EUROPARC Deutschland vom 14. bis 18. Mai 2017 sieben haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus europäischen Schutzgebieten zum Studienaufenthalt „Regionalentwicklung und Tourismus in Schutzgebieten“ in deutsche Nationalparks ein.

Im Müritz-Nationalpark und Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer bekamen die Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien, Slowenien, Ungarn und Schweden die einmalige Möglichkeit, Best-Practice-Beispiele in den Bereichen Regionalentwicklung und Tourismus kennenzulernen. Wie schon während vorangegangener Studienaufenthalte, in welchen deutsche Teilnehmende Schutzgebiete im europäischen Ausland besuchten, stand auch bei diesem Studienaufenthalt der Austausch von Erfahrungen, Fachwissen und Ideen untereinander sowie mit den Gastgeber-Schutzgebieten im Vordergrund.

Als besonders positiv wurde von den Gästen die deutschlandweite Partnerinitiative von EUROPARC Deutschland beurteilt. Ähnliche Ansätze in anderen europäischen Ländern stecken oft noch in ihren Anfängen oder fehlen sogar komplett, weshalb es die Gäste als umso spannender empfanden, Vorzeige-Partnerbetriebe beider Nationalparks kennenzulernen. Somit entwickelten sich rege Diskussionen mit den Inhabern eines Kanuverleihs und einer Fischerei im Müritz-Nationalpark sowie mit dem Leiter des Infozentrums der Schutzstation Wattenmeer auf der Hallig Hooge.

Auch die intensive Zusammenarbeit des Wattenmeer-Nationalparks mit Naturschutzorganisationen wie dem NABU oder der Schutzstation Wattenmeer und die erfolgreiche Einbindung der Freiwilligen in die Arbeit des Nationalparks wurde von den Teilnehmenden als besonders beeindruckend aufgefasst. Beide Verbände und ihre Freiwilligen sind sehr aktiv in den Bereichen Besucherbetreuung und Monitoring und unterstützen somit die tägliche Arbeit des Wattenmeer-Nationalparks.

Ein weiteres begeistert diskutiertes Thema drehte sich um das Zusammenspiel von Natur und Tourismus. Vor allem Teilnehmende aus der Balaton-Region klagten darüber, dass es oft schwierig ist, die Bevölkerung für den Schutz der Natur vor Ort zu begeistern. Das liegt unter anderem daran, dass der Tourismus im südlichen Europa oftmals den größten Wirtschaftsfaktor darstellt. Das Beispiel des Wattenmeer-Nationalparks, der zur Zeit seiner Gründung auch mit viel Gegenwind zu kämpfen hatte, veranschaulicht jedoch, wie durch eine starke Zusammenarbeit und offene Kommunikation mit der Bevölkerung Naturschutzkritiker überzeugt werden können. Heute, mit der uneingeschränkten Unterstützung der lokalen Bevölkerung, ist der Wattenmeer-Nationalpark ein positives Beispiel für den Mehrwert unberührter Natur und Biodiversität, die zur Attraktivität ganzer Regionen beisteuern und somit einen großen Beitrag zur Regionalentwicklung und Tourismus leisten.

Der Studienaufenthalt ermöglichte den europäischen Schutzgebietsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern Best-Pactice-Beispiele beider Nationalparks kennenzulernen, die sich nicht nur landschaftlich grundlegend unterscheiden, sondern auch bezüglich ihrer Herangehensweise in den Bereichen Regionalentwicklung und Tourismus. Aufgrund der angeregten Diskussionen und dem offenen Austausch untereinander war der Studienaufenthalt nicht nur eine bereichernde Erfahrung und Inspiration für die Teilnehmenden, sondern auch für die deutschen Gastgeber. Mit frischen Ideen und neuen Konzepten können nun beide Seiten wieder in ihren Arbeitsalltag zurückkehren und gewonnene Erkenntnisse alsbald in die Praxis umsetzen.